Impfen ohne Nadelstich


Forscher entwickeln Impfpflaster
Impfen ohne Nadelstich

Vielleicht ist die Zeit der Impfungen in den Oberarm bald vorbei: Amerikanische und australische Forscher arbeiten derzeit an einer schmerzfreien Impfung per Pflaster. In ersten Studien erwiesen sich die Pflaster als wirksam und sicher.

Grippeimpfung per Pflaster erfolgreich

Wissenschaftler der Emory Universität in Atlanta testeten bereits 2015 an 100 gesunden Erwachsenen die Wirksamkeit und das Auftreten von Nebenwirkungen beim aktuellen Grippeimpfstoff. Sie verglichen dabei die Impfung per Spritze mit der Anwendung eines speziellen Impfpflasters. Die Kontrollgruppe erhielt ein Impfpflaster mit einem Scheinmedikament (Placebo).

Das Impfpflaster gegen Grippe ist mit 100 Mikronadeln mit einer Länge von 0,65 Millimetern bestückt und wirkt für 20 Minuten am Handgelenk ein. Über die kleinen Nadeln gelangt der Impfstoff durch die obersten Hautschichten in den Körper.

Das Pflaster erwies sich in der Studie als wirksam: Die Antikörpermenge gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme waren 4 Wochen nach der Impfung bei den Probanden mit Pflastern ähnlich hoch wie bei den spritzengeimpften Testpersonen.

Sechs Monate nach Pflaster-Impfung gab es keine schweren Nebenwirkungen. Einige Probanden berichteten von örtlichen Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich der Injektionsstelle beziehungsweise Hautrötung, Juckreiz und Druckempfinden nach Pflasteranwendung. 7 von 10 Teilnehmern mit Pflaster gaben der Impfung per Pflaster den Vorzug. Eine schmerzlose Impfung per Pflaster könnte laut Forschern die Impfraten verbessern, da sich viele Menschen aus Angst vor dem Nadelstich nicht impfen lassen.

Preiswert und ganz ohne Kühlung

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangten Forscher der Universität Sydney: Sie entwickelten ein Pflaster mit 5000 Mikronadeln zur Impfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis). Ein wegwerfbarer Applikator bringt das etwa briefmarkengroße Pflaster auf die Haut auf. Eine von der Weltgesundheitsorganisation unterstützte Studie in Benin, Nepal und Vietnam belegte die Verträglichkeit der Polio-Pflasterimpfung.

Die Wissenschaftlerin Cristyn Davies erläutert: „Impfstoffe mit dieser Technologie wären im Vergleich zu injizierbaren Impfstoffen sehr viel kostengünstiger und müssten zudem nicht kühl gelagert werden. Dies wäre ein entscheidender Vorteil in Entwicklungsländern, wo die Kühlkette für Impfstoffe nicht immer gewährleistet ist.“

Quelle: Ärztezeitung

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